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Streaming-Piraterie: Piraten wechseln vom Firestick zu Social Media
23.09.2026 von Antonia Frank
Streaming-Piraterie ist gerade im Begriff, sich zu verändern. Galten bisher modifizierte Firesticks und illegale IPTV-Abos als häufigste Zugänge für Streaming-Piraterie, rücken gemäß einer Studie von BeStreamWise nun soziale Netzwerke in den Mittelpunkt. Die aktuelle britische Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass mehr als die Hälfte der aktiven Nutzer illegaler Streams in Großbritannien über Social Media auf entsprechende Inhalte zugreift.

Grundlage der Untersuchung ist eine national repräsentative Umfrage unter 2.501 britischen Verbrauchern. Das Meinungsforschungsunternehmen J.L. Partners führte diese zwischen dem 3. und 11. Februar 2026 durch. Die Erhebung wurde von BeStreamWise, einer branchenübergreifenden Anti-Piraterie-Initiative, in Auftrag gegeben. Zu den Partnern der Initiative gehören Sky, FACT sowie weitere Sender, Filmorganisationen und Sportrechteinhaber. Die Ergebnisse stammen damit aus dem Umfeld der britischen Anti-Piraterie-Lobby.

Eine aktuelle Untersuchung aus Großbritannien kommt zu dem Schluss, dass soziale Netzwerke als häufigster Zugang zu illegal verbreiteten Filmen, Serien und Sportübertragungen gelten. Mehr als die Hälfte der aktiven Nutzer solcher Angebote führen an, dafür Social-Media-Plattformen zu verwenden. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt des illegalen Streamings.


16,8 Millionen Briten streamen illegal

Der Bericht trägt den Titel „The Price of Piracy“. Für den Report wertete die britische Wirtschafts- und Politikberatung WPI Economics die Ergebnisse aus. Auf dieser Grundlage berechnete WPI Economics die geschätzten wirtschaftlichen Auswirkungen der Streaming-Piraterie. Mit der Analyse wurde WPI Economics von BeStreamWise beauftragt.

Demnach haben 31 Prozent der britischen Erwachsenen innerhalb der vergangenen drei Monate illegale Streaming-Angebote genutzt. Hochgerechnet entspricht das rund 16,8 Millionen Menschen. 27 Prozent griffen dabei illegal auf Filme und Fernsehinhalte zu. 18 Prozent konsumierten Live-Sport über nicht-offizielle Quellen. Für fast die Hälfte der hochgerechneten 16,8 Millionen Nutzer gehört illegales Streaming zur wöchentlichen Routine. Es ist demnach keine eine Notlösung für den Fall, dass ein Fußballspiel oder ein anderer Inhalt über einen legalen Anbieter nicht empfangbar ist.

Das Verhalten beschränkt sich dabei auch nicht auf gelegentliche Ausnahmen. 76 Prozent der aktiven Nutzer illegaler Streams gaben an, mindestens einmal im Monat entsprechende Inhalte abzurufen. 46 Prozent greifen laut Befragung sogar wöchentlich auf entsprechende Angebote zurück.


Social Media schlägt Firestick und illegale Abos

Bei der Frage nach dem konkreten Zugangsweg, nannten 54 Prozent der aktiven illegalen Streamer soziale Netzwerke als Quelle für entsprechende Inhalte. Auf gekaufte Geräte und illegale Abonnements entfielen lediglich 26 Prozent. Webseiten mit illegalen Streaming-Angeboten kamen auf 28 Prozent. Torrents und Cloud-Sharing-Dienste erreichten 15 Prozent. 7 Prozent griffen mit illegal erworbenen Zugangsdaten auf eigentlich legale Streaming-Dienste zu. Beispielsweise könnte dies Zugangsdaten, die von Dritten gestohlen, weiterverkauft oder anderweitig unrechtmäßig beschafft wurden, umfassen.


Piraten-Streams verstecken sich in Social-Media

Das britische Magazin Cord Busters weist darauf hin, dass sich der Kauf einer modifizierten Box deshalb illegal anfühlt, weil man aktiv danach suchen und dafür Geld ausgeben muss. Ein Social-Media-Nutzer hingegen kann auf einen illegal verbreiteten Stream stoßen, während er eigentlich nur durch seinen Feed scrollt. Die Autoren formulieren entsprechend, es:

Zitat:
„fühlen sich manche Methoden für den Nutzer möglicherweise nicht illegal an – obwohl sie es sind –, weil sie seinem gewohnten Verhalten ähneln.“


Damit erscheinen Formen der Streaming-Piraterie für Nutzer weniger offensichtlich illegal, weil sie sich kaum von normalen Verhaltensweisen im Internet unterscheiden. Das gilt insbesondere für den Zugriff auf entsprechende Inhalte über soziale Netzwerke.


Nicht nur Fußball ist betroffen

Eine weitere, verbreitete Annahme stellt die Untersuchung ebenso infrage, denn illegales Streaming ist keineswegs ausschließlich ein Problem rund um Live-Fußball. 88 Prozent der aktiven illegalen Streamer gaben an, Filme oder TV-Sendungen illegal zu konsumieren. Live-Sport kam dabei auf 60 Prozent. Bei den Fernsehinhalten lagen Serien und andere TV-Formate mit 72 Prozent an der Spitze, gefolgt von Filmen mit 69 Prozent.

Bei den TV-Formaten entfielen 56 Prozent auf Dramen und 52 Prozent auf Comedy- beziehungsweise Unterhaltungssendungen. Reality-TV erreichte 34 Prozent, Dokumentationen 32 Prozent. Beim illegalen Sport-Streaming wiederum dominiert tatsächlich Fußball. 91 Prozent derjenigen, die Sport illegal ansehen, nannten Fußball. Dahinter folgen Boxen mit 40 Prozent, Formel 1 mit 36 Prozent und Tennis mit 34 Prozent.


Junge Erwachsene und Familien fallen besonders auf

Laut der Studie zeigen sich auch bei den Altersgruppen Unterschiede im Streamingverhalten. Besonders die 18- bis 24-Jährigen sind mit 51 Prozent als illegale Streamer aktiv. Bei den 55- bis 64-Jährigen waren es 15 Prozent, bei den über 65-Jährigen lediglich 11 Prozent.

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen fällt dagegen vergleichsweise gering aus. 29 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen gaben an, in den vergangenen drei Monaten illegal gestreamt zu haben. Bei Haushalten mit Kindern im Alter von zehn Jahren oder jünger lag der Anteil bei 40 Prozent. In Haushalten ohne Kinder waren es 23 Prozent.


Illegal? Egal – viele streamen trotzdem weiter

Interessant ist zugleich auch ein Blick auf die Einstellung der Nutzer. 42 Prozent derjenigen, die illegal streamen, halten ihr Verhalten für ethisch falsch. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe gab zudem an, die Nutzung dennoch fortsetzen zu wollen.

Als häufigsten Grund für die Nutzung illegaler Streams nannten die Befragten den Preis. 38 Prozent erklärten, illegale Angebote seien günstiger als legale Alternativen. Danach folgten die Bequemlichkeit mit 31 Prozent und der Wunsch, kostenpflichtige Abonnements zu vermeiden, mit 24 Prozent. 15 Prozent verwiesen auf Schwierigkeiten beim legalen Zugriff auf bestimmte Inhalte in Großbritannien.


Illegale Streams bergen auch Sicherheitsrisiken
Der Report stellt zudem mögliche Risiken für die Nutzer heraus. Wer auf nicht-offizielle Streaming-Seiten oder entsprechende Angebote zugreift, kann demnach mit Malware, betrügerischen Werbeanzeigen oder Phishing-Angeboten konfrontiert werden. WPI Economics schätzt die finanziellen Verluste britischer Verbraucher durch Betrug, Diebstahl und Identitätsmissbrauch im Zusammenhang mit illegalem Streaming auf 270 Millionen Pfund pro Jahr. Die Autoren stufen diese Schätzung dabei als eher zurückhaltend ein.


1,35 Milliarden Pfund Schaden für Großbritannien?

WPI Economics kommt auf mindestens 1,35 Milliarden Pfund jährlich, die der britischen Wirtschaft durch illegales Streaming entgehen sollen. Davon entfallen rund 700 Millionen Pfund auf Live-Sport und 653 Millionen Pfund auf Film und Fernsehen. Die Autoren leiten daraus einen möglichen Verlust von 10.400 Arbeitsplätzen in der britischen Wirtschaft sowie rund 366 Millionen Pfund weniger Steuereinnahmen ab.

Allerdings handelt es sich dabei um berechnete Schätzungen. Das Ergebnis hängt auch von Annahmen darüber ab, in welchem Umfang Nutzer bei Wegfall illegaler Angebote tatsächlich auf kostenpflichtige legale Alternativen ausweichen würden.


Firestick im Visier – Social Media als neue Baustelle

Die Entwicklung der Streaming-Piraterie stellt die bisherige Anti-Piraterie-Strategie vor eine zusätzliche Herausforderung. Zuletzt ging Amazon noch gegen Piraterie-Anwendungen auf seinen Fire-TV-Geräten vor. Unterstützt wurden sie dabei durch Warnungen an Nutzer von der britischen Anti-Piraterie-Organisation FACT. Wenn allerdings mehr als die Hälfte der aktiven Nutzer illegaler Streams über soziale Netzwerke auf entsprechende Inhalte zugreift, reicht es nicht mehr aus, nur die Hardware oder kommerziellen IPTV-Abos ins Visier zu nehmen.

BeStreamWise fordert deshalb mehr Aufklärung über die Risiken sowie ein stärker abgestimmtes Vorgehen von Regierung, Plattformbetreibern, Internetanbietern und Rechteinhabern. Laut der Studie erklärten 34 Prozent der aktiven illegalen Streamer, dass sie ihre Aktivitäten einstellen würden, wenn eine staatlich unterstützte Strategie den Zugang zu illegalen Inhalten erschweren würde.

vollständiger Text >>>quelle: tarnkappe.info

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