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Fakeshop-Netzwerk: 119.000 Domains, echte Marken, falsche Shops
09.09.2026 von Antonia Frank
Fakeshop-Netzwerk mit 119.000 Domains enttarnt: DoppelCart kopiert echte Shops, Produkte und Bilder und lockt Kunden mit Rabatten.



Ein Fakeshop-Netzwerk mit rund 119.000 Domains sorgt aktuell für Aufsehen. Unter dem Namen „DoppelCart“ haben die Brand-Protection-Experten von Nebty gleich einen ganzen Cluster gefälschter Onlineshops identifiziert. Die Betreiber kopieren dabei Produktkataloge, Beschreibungen und Bilder realer Unternehmen. Mit vermeintlichen Schnäppchen locken sie Kunden in die Falle.

Mit 119.000 Domains, echten Produktbildern und Rabatten von bis zu 65 Prozent präsentiert sich das aufgedeckte Fakeshop-Netzwerk „DoppelCart“ wie eine Vielzahl seriöser Verkaufsportale. Wer allerdings auf der Fake-Shop-Site bestellt, landet mit seinen Beschwerden beim echten Händler.


119.000 Domains: Ein Fakeshop-Netzwerk gigantischen Ausmaßes

Eine Untersuchung des auf digitalen Markenschutz spezialisierten Unternehmens Nebty verweist darauf, dass das als „DoppelCart“ bezeichnete Netzwerk rund 119.000 zugeordnete Domains umfasst. Damit handelt es sich nach Angaben der Analysten um den bisher größten öffentlich dokumentierten Fakeshop-Cluster, sofern man die Zahl der Domains als Maßstab nimmt.

Allein 118.787 unterschiedliche .shop-Domains konnten dem Netzwerk zugeordnet werden. Nebty stellte diese Zahl zum Vergleich einem Bestand von 4.361.908 Domains unter der .shop-Endung gegenüber. Der Anteil des Clusters liegt damit bei 2,72 Prozent. Statistisch gesehen entfällt ungefähr jede 37. .shop-Domain im untersuchten Bestand auf das Netzwerk.

Nebty wertete einen Datenbestand aus, der am 5. September 2026 exportiert wurde und Seitenaufnahmen bis zum 4. September umfasst. Insgesamt enthält die Datenbank 119.012 als bestätigt eingestufte Domain-Einträge. Nach der Zusammenführung von Varianten mit und ohne „www“ bleiben 118.996 unterschiedliche Domains, gerundet also 119.000.

Als „bestätigt“ eingestuft wurden Domains, die anhand zusammengeführter Infrastruktur- und Website-Merkmale dem DoppelCart-Cluster zugeordnet werden konnten. Die erfassten Domains befanden sich zum Zeitpunkt der Untersuchung in unterschiedlichen Stadien. Ein Teil davon war als aktiver Fakeshop erreichbar. Die gemeinsame technische Grundlage dient der Zuordnung zum Cluster, lässt jedoch die Identität der Betreiber hinter dem Netzwerk offen.


DoppelCart übertrifft bekannte Fakeshop-Cluster

Erst beim Vergleich mit anderen bekannten Betrugsnetzwerken lässt sich die Größenordnung von DoppelCart besser einordnen. Für BogusBazaar dokumentierten die Security-Forscher von SRLabs im Jahr 2024 ein Netzwerk mit mehr als 75.000 Domains. Davon waren im April 2024 rund 22.500 Domains aktiv. Andere Untersuchungen kamen ebenfalls auf zehntausende Domains, wobei sich Erhebungszeiträume, Untersuchungsmethoden und Kriterien für die Zuordnung unterscheiden.

Mit rund 119.000 zugeordneten Domains liegt DoppelCart nach der von Nebty verwendeten Bezugsgröße weit über diesen Vergleichsfällen. Die unterschiedlichen Erhebungsmethoden machen allerdings einen direkten Größenvergleich nur eingeschränkt möglich.


Vom einzelnen Fakeshop zum gigantischen Domain-Netzwerk

Auf die Spur des Betrugsnetzes kam Nebty nach eigenen Angaben zunächst über einzelne Fälle bei der täglichen Arbeit mit Kunden. Dabei stießen die Analysten auf Fakeshops und veranlassten deren Entfernung. Sie registrierten bei den beteiligten Providern, im laufenden Monitoring und bei Kundenaudits ähnliche technische und strukturelle Merkmale. Dazu gehörten gemeinsame Infrastruktur, Eigenschaften der eingesetzten Shopsoftware sowie weitere zusammengeführte Infrastruktur- und Website-Merkmale.

Für die weitere Recherche kamen öffentlich zugängliche Website-Scans von urlscan.io zum Einsatz. Dadurch ließen sich innerhalb kurzer Zeit mehrere Tausend Domains miteinander in Verbindung bringen. Je tiefer die Untersuchung ging, desto größer wurde das tatsächliche Ausmaß. Die Untersuchung ergab eine standardisierte technische Grundlage, die bei der eine große Anzahl von Domains zum Einsatz kam.

Unterschiedliche Markenauftritte ließen sich anhand der gemeinsamen technischen Merkmalen demselben Cluster zuordnen. Aus den zunächst einzelnen Fakeshops entstand schließlich ein ganzes Cluster von rund 119.000 zugeordneten Domains. Damit erreichte das Fakeshop-Netzwerk diese beträchtliche Größenordnung.


Mit echten Marken in die Fakeshop-Falle gelockt

Bei den von Nebty untersuchten Beispielen fanden sich für die Fake-Shops echte Produktnamen, ausführliche Beschreibungen und Originalbilder. In einem Fall waren Produktbeschreibungen sogar wortgleich aus einem echten Onlineshop übernommen worden. Ein weiterer untersuchter Fakeshop griff sogar auf Bilder und Grafiken zurück, die auf dem Server der betroffenen Marke gespeichert waren. Darunter fanden sich Produktbilder und Icons.


Fakeshop-Netzwerk kopiert echte Shops: Links Original, rechts die Täuschung 


Zudem setzte die Masche dabei noch auf den Rabatt-Trick. In den archivierten Angeboten wurden Preisnachlässe von bis zu 65 Prozent beworben. Professionelle Bilder, bekannte Markenprodukte, professionell wirkende Darstellungen und ein vermeintliches Schnäppchen sollen ahnungslose Kunden in die Falle locken.


Beschwerden landen beim regulären Händler

Für die von der Nachahmung betroffenen Unternehmen endet der Ärger allerdings nicht mit der Entdeckung des dahintersteckenden Fake-Shops. Denn die Betrüger übernehmen sogar Kontaktdaten und Supportadressen der Originalanbieter.

Das typische Vorgehen lässt sich anhand der untersuchten Fälle nachvollziehen. Zunächst bestellt ein Käufer bei einem vermeintlich bekannten Händler. Bleibt die Ware aus oder gibt es Probleme mit der Bestellung, wendet er sich an die auf der Website angegebene Kontaktadresse. Tatsächlich landet seine Beschwerde dann beim Betreiber des Originalshops. Der Händler wird dem Kunden erklären, dass die Bestellung überhaupt nicht bei ihm eingegangen ist. Weder hat er das Geld erhalten noch den fraglichen Shop betrieben. Dennoch muss sein Kundenservice die Folgen des Betrugs auffangen.

Für die betroffene Marke kann das obendrein zum Reputationsproblem werden. Kunden verbinden ihre negative Erfahrung zunächst mit dem Namen des Unternehmens, das sie vom Fakeshop kennen. Erst im Nachhinein wird klar, dass ein Betrüger dessen Identität für den Fakeshop missbraucht hat.


Datenbank soll betroffenen Unternehmen helfen

Nebty stellt die Ergebnisse der Untersuchung öffentlich zur Verfügung. Unternehmen können dort nach ihrem Markennamen oder ihrer Domain suchen und prüfen, ob sich entsprechende Einträge im Datenbestand befinden. Die Datenbank enthält neben bestätigten Zuordnungen auch weitere Verdachtsfälle, nicht mehr auflösbare Domains und bereits ausgeschlossene Einträge.

Für Markeninhaber bietet die zentrale Sammlung verdächtiger Domains zumindest einen Ausgangspunkt für weitere Prüfungen und mögliche Takedown-Maßnahmen bezüglich der Fakeshops.

vollständiger Text >>>quelle: tarnkappe.info

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