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Piraten-Netflix zerschlagen: IPTV-Ring mit 86.000 Kunden belieferte auch Deutschland
18.06.2026 von Antonia Frank
Piraten-Netflix zerschlagen: Griechische Polizei hebt Ring mit 86.000 Kunden aus. Auch Deutschland war betroffen.


Die griechische Polizei hat eines der größten IPTV-Netzwerke Europas ausgehoben. Der von der griechischen Huffington Post als „Piraten-Netflix“ bezeichnete IPTV-Ring soll mehr als 86.000 Kunden versorgt, mindestens sieben Millionen Euro umgesetzt und auch Nutzer in Deutschland beliefert haben. Die Ermittler sprechen von professionell organisierter Streaming-Piraterie mit internationaler Infrastruktur.

Ein griechisches IPTV-Netzwerk bot Tausende TV-Sender, Filme, Serien und Live-Sportübertragungen zu einem Bruchteil der regulären Preise an. Bereits seit 2017 lief das Geschäft offenbar nahezu ungestört. Laut Pressemitteilung hat die griechische Polizei nun dem mutmaßlichen Betreiberkreis des sogenannten „Piraten-Netflix“ einen empfindlichen Schlag versetzt. Die Dimensionen des Falls sind bemerkenswert: 86.000 registrierte Kunden, mindestens sieben Millionen Euro Umsatz und Verbindungen in zahlreiche Länder, darunter, wie Huffington Post berichtet, auch Deutschland.


Sieben Festnahmen nach jahrelangen Ermittlungen

Im Zuge der Razzia wurden sieben griechische Staatsbürger festgenommen, darunter eine Frau und sechs Männer im Alter zwischen 31 und 73 Jahren. Neben den Festgenommenen stehen nach Angaben der Behörden auch fünf weitere mutmaßliche Mitglieder des Netzwerks sowie 71 Nutzer des illegalen Streaming-Angebots im Fokus des Verfahrens. Die Durchsuchungen fanden am 16. Juni 2026 gleichzeitig auf Kreta, in Attika, Agrinio, Korfu und Samos statt.

Die Ermittlungen wurden vom Referat zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität auf Kreta geführt. Unterstützt wurden die Beamten von Spezialisten für Wirtschaftskriminalität, digitaler Forensik und Vertretern der griechischen Gesellschaft zum Schutz audiovisueller Werke.

Laut News247 verschaffte sich ein verdeckter Polizeibeamter als vermeintlicher Kunde Zugang zu dem IPTV-Angebot. Auf diese Weise konnten die Ermittler zusätzliche Erkenntnisse über die Abläufe und Strukturen des Netzwerks gewinnen. Die gewonnenen Informationen wurden in die weiteren Ermittlungen einbezogen.


Das Geschäftsmodell des „Piraten-Netflix“

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gruppe spätestens seit 2017 eine professionelle Infrastruktur für IPTV-Piraterie aufgebaut hatte. Die Betreiber verschafften sich demnach Zugriff auf Inhalte legaler Pay-TV- und Streaming-Anbieter, bereiteten diese technisch auf und verteilten sie anschließend über eigene Server und Streaming-Systeme an ihre Kunden.

Für die Nutzer bot das illegale Streaming-Angebot eine günstige Alternative zu mehreren kostenpflichtigen Abonnements gleichzeitig. Tausende Fernsehkanäle, aktuelle Filme, Serien und Sportübertragungen standen über speziell konfigurierte IPTV-Boxen oder über Anwendungen für Smart-TVs und andere kompatible Geräte zur Verfügung. Der Zugang erfolgte entweder über vorkonfigurierte Set-Top-Boxen mit bereits installierter Streaming-Software oder über spezielle Aktivierungslinks, mit deren Hilfe Kunden die erforderlichen Anwendungen auf ihren Geräten installieren und freischalten konnten. In vielen Fällen übernahmen Mitglieder der Organisation sogar die Einrichtung und Konfiguration der Geräte.

Bemerkenswert ist dabei die Professionalität der mutmaßlichen Täter. Laut Polizei existierte ein zentrales Verwaltungssystem für Kundenkonten, Vertragsverlängerungen und technischen Support. Nach Erkenntnissen der Ermittler agierte das Netzwerk nahezu wie ein reguläres Unternehmen. Die Aufgaben innerhalb des Netzwerks waren dabei arbeitsteilig organisiert. Während einige Mitglieder die technische Infrastruktur betreuten, kümmerten sich andere um die Kundenverwaltung, die Aktualisierung der Inhalte oder den technischen Support.

Das Netzwerk beschränkte sich dabei keineswegs auf Griechenland. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurden Kunden in zahlreichen Ländern bedient. Griechische Medien berichten von Nutzern in Deutschland, Großbritannien, Australien, Kanada, Schweden, Italien, Polen und weiteren Staaten.


86.000 Kunden und Millionenumsätze

Die wohl spektakulärste Zahl stammt aus einer sichergestellten Datenbank. Diese soll mehr als 86.000 Kundenkonten enthalten haben. Der von den Ermittlern geschätzte Vermögensvorteil der Organisation beläuft sich auf mindestens sieben Millionen Euro. Das als „Piraten-Netflix“ bekannt gewordene Netzwerk soll den legalen Rechteinhabern und Plattformbetreibern einen Schaden von mehr als 50 Millionen Euro verursacht haben.

Die Abonnementpreise bewegten sich je nach Laufzeit zwischen 10 und 125 Euro. Für spezielle IPTV-Boxen verlangten die Betreiber zusätzlich rund 130 Euro, während die Einrichtung auf Smart-TVs teilweise gesondert berechnet wurde.


Internationale Infrastruktur

Der IPTV-Dienst nutzte laut Polizei eine umfangreiche technische Infrastruktur im In- und Ausland. Die Betreiber verwalteten ihre Kunden über ein zentrales Managementsystem, mit dem Abonnements registriert, aktiviert und verlängert wurden. Zudem sorgten sie für die laufende Aktualisierung von Senderlisten, Filmen und Serien sowie für den technischen Support der Nutzer.

Die Streaming-Infrastruktur erstreckte sich über mehrere Länder. Nach Angaben der Ermittler kamen Server in der Ukraine, Bulgarien, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland zum Einsatz. Um Sperrmaßnahmen zu umgehen und insbesondere Live-Sportübertragungen störungsfrei ausliefern zu können, nutzte die Organisation ein CDN von DataCamp, VPN-Dienste, Schutzmechanismen gegen Angriffe sowie eine systematische Rotation von Domainnamen. Zusätzlich nutzte die Organisation laut Ermittlern technische Infrastruktur in Marokko sowie eine Starlink-Satellitenverbindung. Für die technische Infrastruktur investierten die Betreiber laut Polizei mehr als 280.000 Euro.

Die internationale Ausrichtung spiegelte sich auch bei den Kunden wider. Das IPTV-Netzwerk belieferte laut den Ermittlungsunterlagen Nutzer in insgesamt 13 Ländern, darunter Griechenland, Deutschland, Großbritannien, Australien, Kanada, Italien, Polen, Schweden, Portugal, die Niederlande, China sowie Zypern und Neuseeland.


Geldwäsche-Vorwürfe aus IPTV-Geschäft

Nach Angaben der Behörden müssen sich die Beschuldigten wegen mehrerer Delikte verantworten. Im Zentrum stehen der Vorwurf der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Verstöße gegen Urheberrechtsgesetze und Vorschriften zum Schutz kostenpflichtiger Abonnementdienste. Darüber hinaus wird gegen die Verdächtigen wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt.

Um die Bezahlung der IPTV-Abonnements möglichst unkompliziert zu gestalten, bot die Organisation ihren Kunden eine Vielzahl unterschiedlicher Zahlungsmöglichkeiten an. Nach Angaben der Ermittler kamen unter anderem Sofortgeldtransferdienste, Prepaid-Zahlungsmittel, digitale Geldbörsen, Kryptowährungen sowie elektronische Zahlungsdienste wie Revolut, PayPal, Binance, Iris Payments und Viva zum Einsatz. Darüber hinaus sollen Mitglieder des Netzwerks Abonnementgebühren teilweise auch direkt in bar von Kunden entgegengenommen haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Einnahmen anschließend über mehr als 58 Bankkonten und Zahlungskarten weitergeleitet wurden, die auf Mitglieder der Organisation im Ausland registriert waren. Die Finanzströme führten nach Angaben der Behörden durch zwölf Länder, darunter Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Luxemburg, die Schweiz und das Vereinigte Königreich.

Die Ermittler werten die komplexen Zahlungsströme und die Nutzung zahlreicher internationaler Finanzdienstleister als Indizien für den Verdacht der Geldwäsche.


Luxusleben statt Sparprogramm

Die Ermittler zeichnen das Bild einer Organisation, die ihre Einnahmen nicht nur anhäufte, sondern auch sichtbar ausgab. Die Beschuldigten sollen die Erlöse aus dem IPTV-Geschäft für längere Urlaubsreisen, Hotelaufenthalte und weitere private Luxusausgaben verwendet haben.

Nach Angaben der Behörden konnten mehrere Mitglieder des Netzwerks ihren Lebensstil mit ihren offiziell erklärten Einkünften nicht plausibel erklären. Zu den Beschuldigten zählen demnach Beschäftigte der Privatwirtschaft sowie ein Rentner.

Darüber hinaus sollen die Verdächtigen Luxusfahrzeuge und Immobilien erworben haben. Die Ermittler nennen unter anderem zwei Wohnungen in Attika und Agrinio. Diese wurden zunächst über Kredite finanziert, die laut den Ermittlungsunterlagen anschließend mit Geldern aus den mutmaßlich illegalen Aktivitäten zurückgezahlt worden sein sollen.

Um mögliche Erträge aus den mutmaßlichen Straftaten zu sichern, froren die Behörden Vermögenswerte der Beschuldigten ein. Zudem ordnete die zuständige Staatsanwaltschaft in sieben Fällen Maßnahmen zur Vermögenssicherung an. Diese umfassen unter anderem ein Veräußerungsverbot für Immobilien der Festgenommenen.


Umfangreiche Beschlagnahmungen

Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler eine umfangreiche technische Infrastruktur sicher. Dazu gehörten unter anderem professionelle Geräte zur Programmierung von IPTV-Boxen, Satellitenempfangstechnik sowie Management-Panels auf Computern und Mobiltelefonen, mit denen das Netzwerk offenbar verwaltet wurde. Nach Angaben der Ermittler fanden die Beamten zudem spezielle IPTV-Programmiergeräte, die beim Empfang und der Weiterverbreitung kostenpflichtiger TV-Inhalte eingesetzt worden sein sollen.

Darüber hinaus fanden die Beamten Unterlagen zum Betrieb und zur Wartung von Servern im Ausland sowie Informationen zur Verwaltung zahlreicher Domainnamen. Nach Angaben der Ermittler dienten diese unter anderem dazu, Sperrmaßnahmen legaler Anbieter zu umgehen.

Außerdem beschlagnahmten die Behörden zahlreiche für Kunden bestimmte Endgeräte, darunter IPTV-Boxen, Android-TV-Boxen, Satellitenreceiver, drahtlose Antennen, Fernbedienungen, Netzteile und weiteres Zubehör. Die Funde deuten darauf hin, dass die Organisation nicht nur Abonnements verkaufte, sondern teilweise auch die notwendige Hardware an ihre Kunden lieferte. Die digitalen Beweismittel werden nun von forensischen Spezialisten ausgewertet.

Neben Kundenlisten, handschriftlichen Notizen und weiteren Geschäftsunterlagen fanden die Ermittler Bargeld in Höhe von über 18.885 Euro. Zudem wurden vier Fahrzeuge und ein Motorrad sichergestellt. Darüber hinaus entdeckten die Beamten eine geringe Menge Cannabis sowie eine Präzisionswaage.


IPTV-Nutzer geraten ebenfalls ins Visier

Die griechischen Behörden wollen sich in ihren Ermittlungen nicht ausschließlich auf die Betreiber konzentrieren. Nach Angaben der Behörden stehen darüber hinaus auch 71 Nutzer des illegalen Angebots im Fokus des Verfahrens.

Laut Polizei drohen den Nutzern der illegalen Dienste verwaltungsrechtliche Sanktionen und Bußgelder. Damit setzt Griechenland einen Trend fort, der in mehreren europäischen Ländern zu beobachten ist. Demnach geraten nicht mehr nur die Anbieter, sondern auch die Kunden ins Visier der Ermittler.

Für die Anti-Piraterie-Branche dürfte die Zerschlagung des Netzwerks ein Prestigeerfolg sein, denn das mutmaßliche „Piraten-Netflix“ soll als international agierendes Geschäftsmodell mit professioneller Infrastruktur, eigener Kundenverwaltung und Millionenumsätzen betrieben worden sein.

quelle: tarnkappe.info

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